MANUEL STAHLBERGER & BIT-TUNER - i däre Show

Label: Irascible

Cat No: STB6LP

Format: LP

Genre: Pop / Rock / Alternative

Artikelnummer: 132681


32.00 CHF

Endpreis* ,

sofort verfügbar
LP


Die einen werden in einer «Gwitternacht» mit einem derartigen Knall geboren, dass Räuberburgen in
zwei Teile gerissen werden. Die anderen zwängen sich mühsam durch den engen Geburtskanal in die
vom Blitzlicht erhellte Nacht, nur um Jahrzehnte später festzustellen, dass sie sich «i däre Show» nie
wirklich zurechtfinden konnten. Anstatt durch Wälder zu ziehen und Abenteuer und grosse
Freundschaften zu erleben, bleiben Manuel Stahlbergers Protagonistinnen an Tischen, an
Bushaltestellen und in Zimmern sitzen, beissen auf die Zähne oder haben Angst vor zu viel Zeit.
In den Liedern des neuen Albums «i däre Show» von Manuel Stahlberger und Produzent Bit-Tuner
bauen sich die elektronischen Tracks in langen Bögen auf. Wie ein sich in Zeitlupentempo nähernder,
aber dennoch unaufhaltsamer Schwarm schlurfender Zombies aus einem Film von John Carpenter
krebsen sie stetig vorwärts und malen die düstere Atmosphäre mit musikalischen Mitteln weiter. Texte
und Musik bleiben auf Augenhöhe, vertrauen auf Repetition und sind gleichermassen exakt
ausgearbeitet – immerzu auf einen Höhepunkt zusteuernd, der ausser Reichweite bleibt. Dass die
beiden Musiker auf eine langjährige Zusammenarbeit in der Band «Stahlberger» zurückblicken, ist
diesen Liedern anzuhören. Entstanden sind sie für Manuel Stahlbergers Soloprogramm «Eigener
Schatten», mit dem er seit Februar auf Tournee ist. Live präsentiert Stahlberger die Lieder alleine, mit
vereinzelten Gitarrenzupfern und Bit-Tuner ab Konserve.
In «Di heilig Famili» wird das gemeinsame Fondueessen an Weihnachten aufrecht erhalten, obwohl
die erwachsene Tochter lieber über alle Berge wäre und nur noch den Eltern zuliebe nach Hause
kommt. In «Loch im Augelid» tappt man auf der plastischen Chirurgie durch einen surrealen
Alptraum: der Chefarzt transplantiert Ohrenhaut aufs Auge und übt während der Operation seinen
Schnitzelbank für die Anästhesistinnen-Abschiedsparty, ehe alles in Alkohol und Blut untergeht. In «S
erscht Mol» erzählt Manuel Stahlberger detailgetreu, wie er im März 1983 zum ersten mal mit seinem
Vater an ein Fussballspiel geht: Auf dem Espenmoos feiert der FC St.Gallen einen sensationellen 5:1-
Sieg über Serienmeister GC, Vaters Resultat-Prognose erweist sich als kreuzfalsch, der Bub Manuel
wird Fan und wünscht sich ein FCSG-Leibchen mit Hundefutter-Werbung drauf. Es ist der
autobiografischste Song auf dem Album. Den Abschluss macht «Wa ales gsi isch», wo sich einer im
Haus seiner verstorbenen Eltern seinen Traum erfüllt und sich endlich ganz weit weg in seine kleine
Parallelwelt bastelt.
Dass der Abgrund dieses alltäglichen Nagens und Grauens sich nie ganz zu einem Höllenschlund
aufreisst, ist nicht zuletzt dem lakonischen Ton Stahlbergers zu verdanken. Denn immer wieder
kriegen diese resignierten, vergessenen und verlorenen Figuren durch kurzes Fast-Aufblitzen von
Liebe, Freude und Hoffnung die Kurve – erlauben sich in dieser brachliegend gezeichneten Welt zu
träumen, entdecken sich ein bisschen neu oder können es hin und wieder «eifach emol sause loh».

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